Für jeden Jugendlichen ein passendes Angebot – „Kurve kriegen“ im Kreis Wesel

1. Juni 2016

Lernwerkstatt im Rahmen von Kurve kriegen in Wesel

Der dreizehnjährige Maik besuchte schon seit mehreren Wochen nicht mehr die Schule, weil er wegen seines auffallend aggressiven Verhaltens vom regulären Unterricht ausgeschlossen wurde. Maik ist ein typischer Fall für das Weseler Team der kriminalpräventiven Initiative »Kurve kriegen«. Zunächst war es wichtig, Maik so schnell wie möglich in einen strukturierten Alltag zurück zu führen und eine passende Schulersatzmaßnahme zu finden. Da der Dreizehnjährige handwerkliches Talent hat, konnte er erfolgreich in eine Lernwerkstatt vermittelt werden, die der Junge anschließend regelmäßig besuchte.

Jeder Fall ist anders

Zum Weseler Projekt-Team von »Kurve kriegen« gehört Adrian Petric. Er ist Sozialarbeiter und Mitarbeiter des Caritasverbandes für die Dekanate Dinslaken und Wesel. Petric war mehrere Jahre in der Jugendhilfe und Jugendgerichtshilfe tätig und sammelte dort viel Erfahrung im Umgang mit Kindern, Jugendlichen und ihren Familien. Unterstützt wird er von Nicole Faltin und Lukas Klimek vom Team des ambulanten erzieherischen Dienstes des Caritasverbandes. Den pädagogischen Fachkräften steht ein Baukasten mit verschiedenen Hilfsmaßnahmen zur Verfügung, den sie stetig erweitern. »Da jeder Fall anders ist«, betont Petric, »muss die Hilfe individuell zugeschnitten sein«. Deshalb greift er auch auf Angebote zurück, die zunächst einmal ungewöhnlich erscheinen.

Selbstwertgefühl steigern. Sozialverhalten ändern.

So setzte er einen Jugendlichen, der wegen verschiedener Körperverletzungsdelikte aufgefallen war, aufs Pferd: Der Junge nahm über einen längeren Zeitraum einmal wöchentlich an heilpädagogischem Reiten teil, um seine Frustrationstoleranz sowie seine Eigen- und Fremdwahrnehmung zu stärken. »Die Beziehung zum Pferd und zum Reittherapeuten kann die Persönlichkeitsbildung der Projektteilnehmer günstig beeinflussen«, erläutert Petric. »Positive Erfahrungen sollen dabei helfen, das Selbstwertgefühl zu stärken und das Sozialverhalten zu ändern. Im Vordergrund steht dabei die Vermittlung eines angemessenen Umgangs mit Emotionen wie beispielsweise Wut und Ärger«

Familien stark machen

Aber nicht nur Minderjährige, sondern auch deren Eltern erhalten Hilfen. So stellt das pädagogische Team Müttern und Vätern zum Beispiel Erziehungskompetenztrainer zur Seite und bietet seine Begleitung bei behördlichen, schulischen oder jugendtherapeutischen Terminen an. Natürlich erkennen die Fachkräfte auch, wann sie selbst helfen können, ohne in ihren Baukasten greifen zu müssen. »Wir wollen Familien nicht das Gefühl geben, entmündigt zu werden. Ganz im Gegenteil, unser Ziel ist es, sie so stark zu machen, dass sie ihre Probleme selbst erkennen und lösen können«, sagt Adrian Petric.

Die Polizei führt ein Risikoscreening durch

Teampartner der pädagogischen Fachkräfte im Kreis Wesel ist Kriminalhauptkommissar Frank Hedderich. Er ist für die Koordinierung im Projekt »Kurve kriegen« verantwortlich und wertet fortlaufend das monatliche Anzeigenaufkommen für »Kurve kriegen« aus. Hedderich achtet besonders auf Gewalttaten und schwere Eigentumsdelikte, bei denen Kinder im Alter von acht bis 13 Jahren als Tatverdächtige benannt wurden. Bei diesen jungen Menschen gilt es für ihn nun festzustellen, ob sie gefährdet sind, erneut Straftaten zu begehen. Hierzu führt der Kriminalhauptkommissar ein mit den Jugendämtern abgestimmtes sogenanntes Risikoscreening durch. Dabei ist es ihm sehr wichtig, zu erfahren, wie seine Kolleginnen und Kollegen der kriminalpolizeilichen Jugendsachbearbeitung und des Bezirksdienstes die Kinder einschätzen. Wenn sich die Anhaltspunkte für eine Gefährdung eines Kindes verstärken, nimmt Frank Hedderich Kontakt mit den Sorgeberechtigten der betreffenden Mädchen und Jungen auf. Bei einem persönlichen Besuch im Umfeld der Kinder informiert er die Familie über die Inhalte von »Kurve kriegen«. Das Hilfsangebot stößt fast immer auf großes Interesse. Sobald die Eltern der betroffenen Kinder die Teilnahme am Projekt schriftlich bestätigt haben, sind Frau Faltin, Herr Klimek und Herr Petric am Ball und starten in der Familie mit einem ersten eingehenden Beratungsgespräch.