Studierende entwickeln neue Ideen für „Kurve kriegen“

30. August 2017
Digitale Buddys, Infotoolboxen und neue Apps – 18 Mediendesign-Studierende der Bergischen Universität Wuppertal entwickeln Ideen für die NRW-Initiative „Kurve kriegen“. Die ersten Entwürfe sind vielversprechend.

Jugendliche, Eltern, Sozialarbeiter, Polizei – Es sind viele Menschen die zum Erfolg von „Kurve kriegen“ beitragen. Deshalb ist vor allem eines wichtig: Kommunikation. „Nur wenn alle Zahnräder perfekt ineinander greifen, kann es gelingen, zu verhindern, dass gefährdete Jugendliche in die Kriminalität abrutschen“, erklärt Jörg Unkrig, Leiter der Stabsstelle Prävention Jugendkriminalität im Ministerium des Innern NRW.
Ideen, wie man die Kommunikation rund um „Kurve kriegen“ noch verbessern kann, entwickeln derzeit 18 Mediendesign-Studierende der Bergischen Universität Wuppertal unter Leitung von Professor Kristian Wolf  (Fakultät für Design und Kunst). Jetzt haben sie erste Zwischenergebnisse vorgestellt.
Ratschläge vom ‘Digitalen Buddy‘
Die Bandbreite der Ideen war groß – von Plakatserien über verschiedenste Apps bis hin zu Outdoor-Aktionen wie ‘Sport im Park‘. „Faszinierend fand ich vor allem, wie sich die Studierenden in die Zielgruppe hineingedacht und genau die Probleme der Jugendlichen erkannt haben“, sagt Unkrig. So hat eine Studentin zum Beispiel Ideen für eine App entwickelt, die die „Kurve kriegen“-Teilnehmerinnen und Teilnehmer darin unterstützen könnte, ihre Beratungstermine besser einzuhalten – mit integrierten Bus- und Bahnverbindungen, Wegbeschreibungen und einer Erinnerungsfunktion.
Denkbar wäre auch, über eine App fortlaufenden Kontakt zu einem Sozialarbeiter herzustellen. Das hat Josef Kirschner vorgeschlagen. Seine Idee: ein ‘Digitaler Buddy‘. „Man steht zum Beispiel davor, eine Straftat im Rahmen einer Mutprobe zu begehen, obwohl einem klar ist, dass das jetzt nicht das Richtige ist, aber man weiß einfach keinen anderen Ausweg.“ Dann könnte man sich über die App direkt an den ‘Digitalen Buddy‘, also eine per Chat zugeschaltete pädagogische Fachkraft wenden, schlägt Kirschner vor.
Eine App als Belohnungssystem
Über Apps die Kommunikation mit den Jugendlichen zu verbessern, das können sich einige der Studierenden vorstellen. So schlugen gleich mehrere eine Art Belohnungssystem vor. Für die Erreichung ihrer Tages-, Wochen- oder Monatsziele könnten die „Kurve kriegen“-Teilnehmer digital Punkte sammeln. Damit dürften sie auf etwas hin sparen, eine Sache oder auch eine Aktivität. „Das würde die Jugendlichen motivieren und ihnen gleichzeitig helfen, ihren Alltag zu strukturieren“, erklärt Unkrig, den die Idee neugierig macht. „Für uns klingt es banal, aber viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Initiative kennen das gar nicht, auf etwas hinzuarbeiten und dafür Anerkennung zu bekommen.“
Auch das Verhältnis zwischen den Kurve-kriegen-Teilnehmern und ihren Familien hat die Studierenden beschäftigt. Neben einer Tool Box mit gezielten Informationen für Eltern entstand auch die Idee für eine App, die gemeinsame Aktivitäten zwischen den Jugendlichen und ihren Eltern fördert. Besteht ein Vertrauensverhältnis zu den Eltern, sind die Jugendlichen weitaus weniger gefährdet, in die Kriminalität abzurutschen, findet Studentin Natalie Purder. „Deshalb liegt mir dieses Thema sehr am Herzen.“
Wie geht es weiter?
Jetzt geht das Projekt der Mediendesign-Studierenden in die heiße Phase. „Es werden Entwürfe gemacht, es werden konkrete Interfaces gestaltet für die digitalen Medien, für die Webseiten, so dass am Ende Produkte entstehen“, erklärt Professor Kristian Wolf. Noch bis zum 29. September (2017) haben die Studierenden Zeit. Dann stellen sie ihre Entwürfe in einer Abschlusspräsentation vor. Die besten Ideen, die auch realistisch umsetzbar sind, sollen in Zusammenarbeit mit einer Agentur für die Initiative „Kurve kriegen“ umgesetzt werden. „Nach dem Tag heute sehe ich da viel Potential“, sagt Jörg Unkrig. „Die Ideen sind vielseitig und zum Teil sehr kreativ. Das könnte „Kurve kriegen“ wieder ein gutes Stück weiterbringen.“

Katharina Matzke