Einblicke in die Zusammenarbeit mit Eltern in der Initiative „Kurve kriegen“ am Standort Märkischer Kreis

    „Kinder und Jugendliche ändern sich, weil Eltern und Bezugspersonen sich ändern und eine neue, andere Haltung einnehmen. Vielfältige Möglichkeiten entstehen, weil Eltern Provokationen widerstehen, Wiedergutmachung anregen und Unterstützung einfordern, anstatt mit voller Härte zu strafen, um ja nicht die Kontrolle zu verlieren.“ (vgl. Omer und Streit 2016: 9)

    Aus diesem Grund ist uns die Zusammenarbeit mit Eltern so wichtig! Wir begegnen Eltern wertschätzend und auf Augenhöhe. So entdecken diese Wege, ihre Ressourcen einzusetzen und erfahren, dass sie in ihrem Handeln / ihrer Erziehung wichtig und wirksam sind! Ziel ist es, dass sie ihren Kindern zeigen:

    • Ich bin da! Ich bin an dir interessiert! Ich lass mich nicht abschütteln!
    • Ich bleibe da – auch wenn es schwierig wird!
    • Ich bleibe nicht allein!
    • Wir können dich nicht kontrollieren, aber in der Beharrlichkeit bleiben!
    • Wir werden dich nicht zwingen und dir zugleich unseren Protest und unsere Sorge demonstrieren! (vgl. Lemme und Körner 2018: 74).

    Diese Haltung vermittelt den Kindern und Jugendlichen ganz deutlich, dass ihre Eltern an ihnen interessiert sind, das Beste für sie wollen und nicht lockerlassen werden. Im Gegenteil, sie holen sich Unterstützer*innen aus der Familie, dem Freundeskreis, dem professionellen Helfersystem, etc. hinzu und werden ihren Kindern dabei helfen, schädliches Verhalten abzulegen und die Kurve zu kriegen.           

    Eine unserer Mütter hat sich die erarbeiteten Ansätze der Systemischen Neuen Autorität ganz besonders zu Herzen genommen. Sobald ihr Sohn wieder auf die schiefe Bahn abzurutschen drohte, hat sie ihre zuständige PFK, Frau Serges, kontaktiert und über ihre Sorgen informiert. Ebenso hat sie die Großeltern, Lehrer*innen, Praktikumsanleitungen und Freund*innen ihres Sohnes informiert und ihm somit immer wieder gezeigt: Du bist mir wichtig! Ich werde alles mir Mögliche in Bewegung setzen, damit du die Kurve kriegst und ich werde nicht mehr dabei zusehen, wie du mit deinem Verhalten Schwierigkeiten für dich und deine Familie produzierst.

    Durch ihr großes Engagement und Vertrauen in die PFK ist es der Familie gelungen, ihre Schwierigkeiten zu bewerkstelligen und der Sohn hat kürzlich als Absolvent die Initiative verlassen.

    Die Zusammenarbeit mit den Eltern ist bei „Kurve kriegen“ von großer Bedeutung, denn als PFK begleiten wir die Familien nur für einen gewissen Zeitraum. Ziel ist es, dass sie eines Tages wieder ohne Helfersystem zurechtkommen. Hierbei stärken wir die Eltern und Bezugspersonen, indem wir mit ihnen Methoden wie beispielsweise die Übung der Körbe und eine Ankündigung erlernen, üben und durchführen oder auch gemeinsam eine Wiedergutmachung einfordern.

    Tafel mit bunten Klebezetteln

    Die Abbildung zeigt einen Teil aus der gemeinsamen Elternarbeit mit einer anderen Familie. Hier wurde die „Übung der Körbe“ als Methode benutzt, um einen klaren Startauftrag an die gemeinsame Arbeit zu formulieren. Ziel der gemeinsamen Arbeit ist es, dass Teilnehmer XY nicht mehr straffällig wird und seine Zukunft durch Respektlosigkeit gefährdet.

    Gerade zu Beginn der Zusammenarbeit sind Familien oftmals so stark belastet, dass sie nur noch all das Negative sehen. Sowohl für die Eltern als auch für die Kinder fühlt es sich so an als wären die Ziele schier unerreichbar, weil die Probleme einfach zu groß sind und in zu viele Lebensbereiche hineinreichen. Hoffnungslosigkeit und Resignation drohen.

    Mit Hilfe der Übung der Körbe lassen sich die Verhaltensweisen herausfiltern, welche die Zukunft der Teilnehmenden am meisten gefährden. Diese werden in den Limit-Korb gefüllt und zuerst bearbeitet. Es ist elementar, diesen Limit-Korb mit nicht mehr als ein oder zwei Verhaltensweisen zu füllen, damit sich keine Überforderung einstellt. Niemand kann von heute auf morgen alles verändern.

    Andere Verhaltensweisen, an denen gearbeitet werden soll, kommen in den „Kompromiss-Korb“ und darüber hinaus gibt es weitere Verhaltensweisen, die im „Akzeptanz-Korb“ landen und so wie sie sind, toleriert werden.

    Von ganz besonderer Bedeutung ist jedoch der „Das soll genauso bleiben! - Korb“, denn dieser ist – sehr zur Überraschung unserer Familien – immer am meisten gefüllt.        

    Was so oft aus dem Blickwinkel gerät, ist nämlich, wie toll unsere Kinder und Jugendlichen sind, wie viele wundervolle Eigenschaften und Stärken sie bereits mitbringen, die dringend gefördert und für die gemeinsame Arbeit genutzt werden sollten. Dies zu realisieren, stärkt die Eltern und motiviert sie, in die gemeinsame Arbeit einzusteigen.

    Nachdem die Verhaltensweisen gesammelt und in die unterschiedlichen Körbe einsortiert wurden, findet übrigens immer noch ein gemeinsamer Termin mit dem betroffenen Kind statt. Dieses staunt meist nicht schlecht, wenn es sieht, dass auch die Eltern aktiv bei „Kurve kriegen“ mitarbeiten und es stärkt die Eltern-Kind-Beziehung ungemein, wenn die Kinder am Ende ihre „Komplimenten-Dusche“ aus dem „Das soll genauso bleiben! - Korb“ genießen dürfen.

    Wir freuen uns, dass die von uns betreuten Eltern uns so vertrauen, wir gemeinsam Präsenz zeigen und neue Wege gehen.

    Quellen:

    Lemme, M. & Körner, B. (2018). Neue Autorität in Haltung und Handlung. Ein Leitfaden für Pädagogik und Beratung (1. Aufl.). Carl-Auer Verlag GmbH.

    Omer, H. & Streit, P. (2016). Neue Autorität: Das Geheimnis starker Eltern. Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG.