Am 28.05.2020 fand ein kriminalpräventiver Workshop mit Maximilian Pollux in Duisburg statt. Pollux, authentisch und emotional, erreichte mit seinen eindringlichen Worten die Zuhörer und appellierte als „gebranntes Kind“ einen anderen Weg als den in die Kriminalität einzuschlagen.
Denn Maximilian Pollux selbst entschied sich bereits mit dreizehn Jahren bewusst für eine kriminelle Laufbahn. Er war damals der festen Überzeugung: Ein Gangster ist machtvoll, wird gefürchtet und hat „Kohle ohne Ende“, das war es, was er damals sein wollte. Er hatte auch von der „Gangsterehre“ gehört und war begeistert. Gangster, das war seine Vorstellung, halten zusammen, gehen durch dick und dünn und verraten sich nie. So ein Leben wollte er, denn für ihn waren die Gesetzestreuen die wahren Verlierer der Gesellschaft – die Luschen und Langweiler. Ein fataler Irrglaube, wie sich später für ihn herausstellte.
Er landete – wie sollte es anders kommen – im Knast. Sein bester Kumpel, ein guter Freund der Familie, hatte ausgepackt, um „seinen Hintern zu retten“. Pollux schwieg – wegen der Ehre – und musste fast 10 Jahre seines Lebens hinter Gittern verbringen. Eine Zeit, in der er durch die Hölle ging, das schilderte er den jungen Zuhörern sehr eindringlich.
In dieser Zeit begann er nachzudenken. Was war passiert, wie sollte es weitergehen, wen hatte er alles verloren und wollte er ein Leben nach dem Knast, das so aussah wie das zuvor. Er entschied sich, sein Leben umzukrempeln und mit seinen Erfahrungen anderen zu helfen.

Sein neues Leben begann mit seiner Entlassung. Er entwickelt gemeinsam mit seiner Frau, die er zwischenzeitlich kennen gelernt hatte, das Programm „Sichtwaisen“. Seither arbeitet er als Botschafter, er spricht vor Schulklassen und kriminalitätsgefährdeten Kindern und Jugendlichen. Er erzählt ihnen die wahren Geschichten, wie es ist, in ständiger Angst leben zu müssen.
Er erzählt von der fortwährenden Angst, von der Polizei verfolgt und gestellt oder von einem anderen Kriminellen bedroht, ausgeraubt oder umgebracht zu werden.
Maximilian Pollux „entzaubert“ das Knastleben, er schildert es frei von jeglichen Knast-Mythen und glorifizierenden Vorstellungen, die oftmals in den Köpfen der unserer jungen Teilnehmenden kreisen. „Hey, was für ein cooler Typ, der war schon im Knast. Pollux stellt klar: „Im Knast heult auch der coolste Typ ins Kopfkissen. Du sitzt auf dem Klo, mitten in der Zelle, es gibt „Null“ Privatsphäre. Alles ist fremdbestimmt und unfrei… „Und wenn Du denkst, draußen gibt es tausend Regeln. Witz! Drinnen gibt es eine Million – und Du musst sie alle befolgen, sonst bist Du am Arsch.“

Seine Botschaften sind deutlich und unmissverständlich. Sie gehen „an die Nieren“ und sprengen die verklärte Vorstellungskraft der Zuhörer. Zwei davon lauten:
Als Krimineller wirst du diejenigen verletzen, die dich am meisten lieben! (Deine Freunde und Deine Familie.)
Deine besten Freunde werden dich verraten! (…denn andere wissen nicht genug über Dich).
Das tut weh und regt zum Nachdenken an. Und das tun sie anschließend alle, seine Zuhörer. Es ist danach manchmal ganz still, bevor die Fragen heraussprudeln.