Eindrucksvoller Besuch der (Jugend)-Justizvollzugsanstalt Wuppertal-Ronsdorf

Es ist Donnerstag, der 28.03.2019, 10:00 h, als das schwere Rolltor der Vollzugsanstalt auf- und hinter den Besuchern wieder zufährt. Bedrückend, fremdbestimmt, ausgeliefert – das sind Vokabeln, die jedem Einzelnen der Gruppe in dieser Situation durch den Kopf gehen. Nur das für sie, im Gegensatz zu den meisten anderen, die durch diese Schleuse kommen, eines gewiss ist: In ein paar Stunden werden sie durch die gleiche Tür wieder nach Hause gehen.
Die Besucher, das sind in diesem Fall 15 Fachkräfte der Initiativen „Kurve kriegen“ und “klarkommen“; Pädagogische Fachkräfte und Kriminalbeamte/Polizeiliche Ansprechpartner, die sich einen Eindruck von dem machen wollen, was die Jugendlichen erleben, wenn sie zu einer Jugendstrafe ohne Bewährung verurteilt werden und eine Haftstrafe antreten müssen.

Empfangen wird die Gruppe von Herrn V., dem „Bereichsleiter Außenkontakte“ des Fachbereichs Sicherheit & Ordnung. Herr V. ist eine stattliche Erscheinung, fast zwei Meter groß, kräftig und mit sonorer Stimme. Er verkörpert das, was diese Justizvollzugsanstalt (JVA) ausmacht: Sicherheit.
Wuppertal Ronsdorf, neu gebaut und seit August 2011 im Wirkbetrieb, ist mit ihren 510 Haftplätzen tatsächlich eine der modernsten und sichersten JVAen Deutschlands.

Nach kurzer und freundlicher Begrüßung begibt sich die Besuchergruppe dann unter Führung des Justizbeamten auf die Spuren derer, die hier ankommen. Herr V. geht mit ihnen die gleichen Wege, die jeder, der hier eine Haftstrafe zu verbüßen hat, gehen muss:

Aufnahme,
Kleiderkammer (sämtliche privaten Sachen abgeben und Anstaltskleidung empfangen),
Hafträume….

Und ständig begleitet vom wiederkehrenden Procedere des Türen Auf- und wieder Zuschließens.

Schier endlose Gänge verbinden die verschiedenen Abteilungen auf dem etwa 10 ha großen Gelände und mit jedem dringen die Gäste tiefer in das Innenleben dieser riesigen Anlage ein. Routiniert erklärt Herr V. dabei die Sicherheitstechnik der Anstalt und den Alltag der Insassen. Er referiert über die vielfältigen schulischen und beruflichen Möglichkeiten sowie über die zahlreichen Freizeitangebote vom Sport über das Kochen bis hin zum „Playstation-Zocken“.
In großen und modernen Werkstätten können die jungen Menschen Ausbildungen in z. B. den Bereichen der Metall- und Holzverarbeitung machen oder vervollständigen. Daneben gibt es – für die Schulpflichtigen – ein vollständiges schulisches Angebot.
Nach dem Mittagessen – übrigens mit der gleichen Kost, die die Häftlinge an diesem Tag bekommen – haben die Fachkräfte Gelegenheit, sich mit dem Seelsorger der Anstalt, dem pädagogischen Leiter und den SozialarbeiterInnen auszutauschen – wovon sie zwei Stunden lang reichlich Gebrauch machen. Am Ende ist eines deutlich: Alle Bediensteten hier sind hochmotiviert und wollen das Beste für die Jugendlichen herausholen, ihnen einen Neustart ermöglichen, wenn sie hier wieder rauskommen. Dass das allerdings nicht immer gelingt oder gelingen kann, ist auch allen klar – Rückfallstatistiken belegen das sehr eindeutig. Ein Teilnehmer der Diskussionsrunde bringt es auf den Punkt: „Die JVA kann und tut viel, aber es nicht der Ort, um 15, 17 oder 19 Jahre schief gelaufener Sozialisation zu heilen. Da muss man deutlich früher anfangen“. Das ist auch der Tenor der Beschäftigten der JVA und ein deutliches Signal für unsere Initiativen.

Das Ende der beeindruckenden Besichtigungstour verläuft planmäßig: Alle Fachkräfte finden sich vor den Toren der JVA wieder ein. Ein wenig Erleichterung ist den Teilnehmern (s. Foto) dabei durchaus anzusehen.

Einig sind sich alle darüber, dass die Arbeit in den Initiativen „Kurve kriegen“ und „klarkommen“ ein wichtiger Baustein im Leben junger kriminalitätsgefährdeter Menschen ist, um Haftstrafen zu vermeiden und Perspektiven zu schaffen.

Bei dem Team der JVA und insbesondere Herrn V. möchten wir uns an dieser Stelle noch einmal herzlich für die tolle Organisation dieser bereits zum zweiten Mal durchgeführten Veranstaltung bedanken.