Vertreter der Initiative und die bikup gGmbH reflektieren die ersten fünf Monate der Zusammenarbeit

Das Eis brechen

„Ich hatte einen Kloß im Hals. Jetzt habe ich angefangen zu sprechen“, zitiert Hadisseh Parlaksu, Sprach- und Integrationsmittlerin für die Initiative, eine alleinerziehende Mutter von vier Kindern aus der Türkei, zu der Sie die Pädagogischen Fachkräfte wegen ihres stark kriminalitätsgefährdeten Sohnes schickten. Der Polizei und deutschen Institutionen misstraute sie, nahm Hilfen nicht an und so war der Weg ins Chaos vorprogrammiert. Es hat gedauert, bis die junge Frau sich gegenüber Frau Parlaksu öffnete, aber es gelang am Ende, ihr Vertrauen zu gewinnen, ihr das System „Kurve kriegen“ zu erläutern und sie auf diesem Weg auch für die Anliegen der Initiative zu öffnen. Eine sehr gute Ausgangsposition für unsere Pädagogischen Fachkräfte, um jetzt nach und nach an den vielen „Baustellen“ zu arbeiten, die letztlich dazu führten, dass ihr Sohn in die Kriminalität abglitt.
Dieses Beispiel ist eines von vielen, in denen es SIM gelang, „das Eis zu brechen“, Zugänge und tragfähige Beziehungen herzustellen und kriminalpräventive Hilfe zu ermöglichen.

Erziehung und das Umfeld sind mit entscheidende Einflussfaktoren um ein kriminalitätsfreies Leben zu führen. Wir helfen mit unserer Begleitung darüber aufzuklären und Ansätze zu finden. Nader El Tora

Sprach- und Integrationsmittler

Wir verhindern mit unserem kulturellen Verständnis und Zugang  Kommunikationsstörungen von Anfang an. Dabei ist ein wichtiger Punkt die Allparteilichkeit. Homayun Zamani

Sprach- und Integrationsmittler

Vermitteln und beraten

In mittlerweile über 40 Familien sind sie im Einsatz und nun wurden diese Einsätze in einer ersten Feedbackrunde analysiert und bewertet. Das Fazit:
Mit einer 100 % passgenauen Vermittlungsquote und durchgängig positiven Bewertungen seitens der Polizei und der pädagogischen Fachkräfte sind die SIM eine wirkungsvolle Bereicherung der Initiative. Aber nicht nur die „Auftraggeberseite“ zeigt sich zufrieden, sondern auch die Auftragnehmer, insbesondere die SIM selber sind es.
„Wir machen in Kurve kriegen genau das, wofür uns bikup ein Jahr lang intensiv ausgebildet hat“, bringt es Herr Zamani, der bereits seit einigen Jahren als Sprach- und Integrationsmittler tätig ist, auf den Punkt und ergänzt: „Ich habe schon viel erlebt, aber `Kurve kriegen´ ist bisher das interessanteste Einsatzgebiet.“
Varinia Fernanda Morales, Geschäftsführerin der bikub gGmbH erläutert in diesem Zusammenhang, dass es gelungen sei, die Zusammenarbeit der SIM mit „Kurve kriegen“ sehr rollenklar zu gestalten, so wie es das Berufsbild des Sprach- und Integrationsmittlers fordert. „SIM sind nicht in der Rolle des Sozialarbeiters unterwegs, sie sind kein Familientherapeut – sie vermitteln und beraten bei soziokulturellen Konflikten und halten sich exakt an ihren Auftrag und den Berufskodex der Allparteilichkeit, Transparenz und Vollständigkeit des Gesagten“, fasst die Politologin, die die gGmbH gründete und seit fast zehn Jahren deren Geschicke leitet, zusammen.

Ein wichtiger Baustein

Die Ergebnisse dieser ersten Auswertung bestätigen die Wirkungsannahme des „Kurve kriegen“-Teams bei der Implementierung dieser bundesweit einzigartigen Kooperation (Pool-Lösung). Sprach-und Integrationsmittler sind, vor dem Hintergrund der verstärkten Zuwanderung von Menschen aus vielen unterschiedlichen Kulturkreisen, ein wichtiger Baustein im Rahmen der Kriminalprävention.

Wir werden sozio-kulturell tätig und übernehmen keine Fachberatung. Das Verstehen der anderen Kultur und das Vermitteln, sind ein wesentlicher Schlüssel Menschen zu erreichen! Hadisseh Parlaksu

Sprach- und Integrationsmittlerin

Vertrauen muss sich aufbauen. Das ist ein Prozess.  Gerade wichtig ist es dann, wenn sich Menschen selbst schon fast aufgegeben haben.

Abdelmalek Farhou

Sprach- und Integrationsmittler