Zweitägige Klausurtagung der NRW-Initiative Kurve kriegen

17.-18. April 2019 in Selm

Wie in jedem Frühling trafen sich die Polizeilichen Ansprechpartner und Pädagogischen Fachkräfte der NRW-Initiative „Kurve kriegen“ zu einer zweitägigen Klausurtagung. Dieses Jahr fand die Veranstaltung im Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei Nordrhein-Westfalen in Selm-Bork statt.
LKD Jörg Unkrig und sein Team der Steuerungsgruppe aus dem Ministerium des Innern begrüßten die Fachkräfte aus allen 23 „Kurve kriegen“-Standorten. „Qualitätsmanagement ist keine Worthülse, sondern muss gelebt werden. Nur wenn wir Sie als Fachkräfte, als Experten einbeziehen, kann „Kurve kriegen“ sich im Sinne der Sache weiterentwickeln“, so Unkrig zu Beginn. 

Eigene Stärken nutzen, neuen „Input“ sammeln, Erfahrungen reflektieren

Eine Quelle aus der wir schöpfen

Die Veranstaltung bot Gelegenheit zum kollegialen und fachlichen Austausch. Aktuelle Themen rund um die Initiative wurden besprochen, analysiert und weiterentwickelt. „Die Fachlichkeiten unserer Fachkräfte und ihre Erfahrungen aus der Arbeit für „Kurve kriegen“ sind Quellen, aus der wir viele Ideen für die Weiterentwicklung der Initiative schöpfen können“, so Unkrig. 

Hochkarätige Referenten lieferten neuen „Input“ für unsere Fachkräfte.

Prof. Dr. Michael Macsenaere vom Institut für Kinder- und Jugendhilfe gGmbH in Mainz trug zum Thema „Wirkungsorientierung in der Jugendhilfe“ vor und zeigte sich begeistert vom „Kurve kriegen“-Konzept sowie der Arbeit unserer Fachkräfte. So lobte er beispielsweise den Blick der Pädagogischen Fachkräfte auf die Ressourcen der Teilnehmenden und ihrer Familien, die Qualität der sozialpädagogischen Diagnostik, die Mitarbeiterqualifikation, ihre Vernetzung im System und würdigte die gute Kosten-Nutzen-Relation der Initiative.

„Methoden wirksamer Prävention am Beispiel Suchtvorbeugung“ war das Thema des Fachvortrages von Dr. Hans-Jürgen Hallmann der „ginko“-Stiftung für Prävention. Er zeigte auf, wie sich Suchtprävention aus den 70er heraus bis heute entwickelt hat, was es bedeutet professionell zu arbeiten und welche Parallelen es gibt, um Kinder und Jugendliche und deren Familien nachhaltig zu erreichen. Ein Fazit aus seinem Vortrag: „Abschreckung“ ist in der Regel kein wirksames Präventionstool.

Der Coach für digitale Balance und Suchttherapeut Master of Science (M.Sc.) Jannis Wlachojiannis referierte über “Online-Gaming/Online-Spielsucht – Faszination, Risiken und Auswirkungen auf NutzerInnen”. Eindrucksvoll bot er einen Einblick in die aktuelle Welt rund um Online-Spiele, ihre Zugangsmöglichkeiten und ihre Gefahren.

Alle Referenten boten den Fachkräften die Gelegenheit zur Diskussion und stellten in intensiven Gesprächen den jeweiligen Bezug zur Initiative „Kurve kriegen“ her. Es wurde im Nachgang noch lange unter den Fachkräften diskutiert, wie man dieses geballte Wissen nutzen kann, um Teilnehmende zu erreichen.

Nicht nur über sie reden, sondern mit ihnen

Zum Abschluss der Tagung berichtete ein ehemaliger Teilnehmer über seine Erfahrungen in der Initiative „Kurve kriegen“. Eindrucksvoll und bewegend schilderte er seinen ganz persönlichen Weg aus Kriminalität mithilfe der „Kurve kriegen“-Fachkräfte, aber auch seinen eigenen Ressourcen.
Polizeiliche Ansprechpartner und Pädagogische Fachkräfte nutzten die Chance den mittlerweile volljährigen Absolventen der Initiative zu interviewen und so eigene Handlungsansätze zu reflektieren, die rückblickende Sicht des Teilnehmers zu verstehen und die neuen Eindrücke für die Weiterentwicklung der Initiative zu nutzen.
„Ich danke der Initiative und vor allem den Fachkräften. Ich hoffe, dass noch viele junge Menschen die Chance nutzen, die ihnen „Kurve kriegen“ bietet“, so der Absolvent. „Erst „Kurve kriegen“ ermöglichte mir, manche Sachen ganz anders zu sehen und sie zu verstehen“, beschreibt der ehemalige Teilnehmer seinen Weg in ein Leben ohne Straftaten. Überraschend oder vielleicht doch nicht, er möchte aus dem Erlebten etwas an andere weitergeben. Deshalb möchte er jetzt sein Abitur machen und Sozialarbeiter werden.
Dafür wünschen wir ihm an dieser Stelle viel Erfolg!

Unser Dank gilt auch allen anderen Experten, die uns an ihrem Wissen und ihren Erfahrungen teilhaben lassen.