Jörg K. Unkrig bei seiner Rede im April 2022

    Es gibt ein paar Dinge auf der Welt, die ziemlich feststehen. Da gibt es nichts dran zu rütteln.
    Das ist zum Beispiel der Umstand, dass die Erde sich um die Sonne dreht.
    Hat zwar etwas gedauert diese Erkenntnis, doch letztlich ein Fakt.
    Ein weiteres Beispiel: Auf die Nacht folgt der Tag.
    Auch wenn es dem einen oder anderen bisweilen gelingt, die Nacht zum Tag zu machen, ist die Abfolge – zumindest solange es die Sonne gibt und die Erde sich dreht – ein Fakt.

    Ein drittes Beispiel:

    Gut gemachte Prävention wirkt!

    Wenn ich von etwas zutiefst überzeugt bin, dann von gut gemachter Prävention. Und davon, das gut gemachte Prävention wirkt.
    Ob in der Medizin, dem Automobilbau, der Flugzeugindustrie oder dem Katastrophenschutz - es geht immer darum, Gefahren zuvorzukommen, den Schadensfall nicht erst abzuwarten.
    Es geht darum planvoll zu reagieren, vorzudenken und für die zukünftige Sicherheit Vorsorge zu treffen. Das erfordert strategischen Weit- und Rundumblick von allen Beteiligten.
    Denken in Szenarien und das Vorbereiten darauf kostet Mühen und Ressourcen, aber es käme doch niemand ernsthaft auf den Gedanken, diese Investitionen in Frage zu stellen, denn sie rechnen sich - ethisch, moralisch, wirtschaftlich.
    Und wir alle wissen oder ahnen es zumindest: „Ein guter Präventivmediziner rettet mehr Menschenleben als ein Notarzt“.

    Gut gemachte Prävention wirkt!

    Meine Erfahrung ist leider, dass Prävention in der Polizei und der Jugendhilfe noch immer nicht den Stellenwert hat, den sie verdient. Das hat ganz unterschiedliche Gründe:

    Oftmals liegen sie leider sogar in ihr selber. Prävention war häufig schlecht oder unüberlegt und „auf die Schnelle“ gemacht, aus der Not heraus geboren (weil man ja sonst nichts hatte), so gut wie nie wissenschaftlich begleitet und so gut wie nie in den Prozessen und Wirkungen überprüft.
    Wir waren lange Jahre, wenn man so will, in einer „lose-lose-Situation“. Es wurde zwar viel geklagt aber doch wenig bewegt. Und wenn man so arbeitet, dann hat man es schwer, wirklich voran zu kommen.
    In „Kurve kriegen“ haben wir dies in unsere Überlegungen von Beginn an einfließen lassen, viele Standards gesetzt und uns wissenschaftlich nicht nur beraten sondern regelmäßig wissenschaftliche Evaluationen durchführen lassen. „Kurve kriegen“ hat sich seit seinem Start 2011 immer weiter optimiert und sich zugleich immer wieder hinterfragt. Das ist gut so und in einer sich verändernden Gesellschaft absolut wichtig. Heißt nämlich auch, nicht nur gut sein sondern auch gut bleiben!

    Hier ein paar aktuelle Zahlen. Gut 1900 hochgradig kriminalitätsgefährdete Kinder und Jugendliche wurden bislang in die Initiative „Kurve kriegen“ aufgenommen. Schon mehr als 900 von ihnen konnten die Initiative als erfolgreiche Absolventen wieder verlassen. Junge Menschen, die auf dem Weg waren, Intensivtäter zu werden. Junge Menschen, von denen wir früher gesagt hätten, „da ist Hopfen und Malz verloren, warten wir bis die 14 Jahre alt sind und sperren sie dann ein“.

    Wegsperren als Lösung? Alles andere als das. Das zeigen schon die Rückfallquoten nach Jugendarrest.

    Die polizeilichen Ansprechpartner und pädagogischen Fachkräfte lernen die Teilnehmenden und ihre Familien intensiv kennen - ihre Sorgen, ihre Geschichten, aber auch ihre Peer-Group und ihr Lebensumfeld. Sie haben Vertrauen gewinnen können. Unsere Fachkräfte verändern das Leben der Teilnehmenden und der Familien weg vom Negativen hin zum Positiven.

    Gut gemachte Prävention wirkt!

    Kurve kriegen wirkt!