„Komm schon, war doch nur Spaß“; ein Satz, den sicherlich jeder von uns schon mal gehört hat. Einer, der harmlos klingt oder verharmlosen soll und oft in krassem Gegensatz zu dem steht, was zuvor passierte bzw. was es beim Gegenüber verursachte.

Kleine Sticheleien, die angeblich nicht ernst gemeint sind. Grenzüberschreitungen, die man wegsteckt, weil man dazugehören will bis hin zu Straftaten wie Diebstählen oder Körperverletzungen. 

„Das ist doch nur Spaß“, bis es dann keiner mehr ist – bis es Opfer gibt.

Solche Grenzüberschreitungen in Form von Mobbing, Cybermobbing bis hin zu Straftaten waren die „Baustellen“, mit denen wir uns im Rahmen der Betreuung mehrerer Teilnehmer und Teilnehmerinnen zu beschäftigen hatten. Ort des Geschehens: Eine Hauptschule in Coesfeld, auf die sie gemeinsam in verschiedenen Jahrgangsstufen gehen. Dort begehen Sie ihre Taten, suchen ihre Komplizen - und ihre Opfer.

Um den größtmöglichen kriminalpräventiven Mehrwert zu generieren, mussten wir also ran an die Schule und den gesamten schulischen Kontext ins Auge zu fassen - um genau diesen Adressatenkreis zu erreichen. Täter, Komplizen, Opfer und alle anderen Mitschüler, die zukünftig davon berührt sein könnten. Den einen erklären, was sie mit ihrem Tun verursachen und die anderen sensibilisieren und stark machen.

So ein Theater

Die Lösung, die uns für diesen Fall vorschwebte: ein Schultheaterstück, möglichst kombiniert mit der Möglichkeit, das Gesehene zu besprechen, zu diskutieren. 

Gesucht, gebucht. 

Mit der Präventionstheatergruppe RADIKS e.V. landeten wir einen Volltreffer. Vom 17.11. – 19.11.2025 führte die Gruppe an drei Tagen insgesamt drei Theaterstücke zu den relevanten Themen in den Klassen unserer Teilnehmer und Teilnehmerinnen auf.

„Komm schon, war doch nur Spaß“, dieser Satz fiel dort tatsächlich mehrfach. 

Um was ging es im Weiteren:

  • Freundschaft, die sich in Boshaftigkeit verwandelt.
  • Träume, die eigentlich Unterstützung benötigen, werden zum Auslöser von Neid.
  • Beste Freunde, die nicht unterstützen, sondern sich lustig machen.
  • Videos und Bilder, die ohne Erlaubnis verbreitet werden, gefolgt von Hasskommentaren und Spott.
  • Dinge tun, um dazuzugehören.
  • Anerkennung als vermeintliche Währung für Rücksichtslosigkeit, Mobbing und Straftaten. 

Die Kinder und Jugendlichen verfolgten die Theaterstücke gespannt und eines wurde sehr deutlich: Sie erkannten als „Beobachter von außen“ sehr schnell und treffsicher, wer gute und wer böse Absichten hat, was falsch und richtig ist und wann man „Nein“ sagen muss. Sie zeigten Mitgefühl für die Betroffenen, dachten sich in sie hinein und erachteten Konsequenzen für Mobber als wichtig.

Digitale Handlungen haben analoge Konsequenzen

Social Media, Memes und manipulierte Bilder gehören zur Lebenswelt unserer Kinder und Jugendlichen. Sie dienen der Unterhaltung - solange sie niemanden verletzen. Und auch das wurde in den Theaterstücken sehr deutlich. Digitale Handlungen haben analoge Folgen. Und diese lassen sich nicht einfach mit einem Rechtsklick löschen. 
Im Anschluss an die Aufführungen moderierten die beiden Schauspieler Diskussionsrunden, bei denen sie die vielen Fragen der Schüler und Schülerinnen zu den Inhalten und den Hintergründen der Stücke beantworteten. Neben der sehr lebhaften und realitätsnahen Darstellung durch die beiden Schauspieler war es insbesondere dieser abschließende Austausch mit den Schülerinnen und Schülern, die die Verbindung zwischen der Realität und den Theaterstücken herstellte – in den Stücken fanden sie ihren Alltag wieder, erkannten Parallelen.

Fazit:

Ziel war es, den erweiterten Sozialraum unserer Teilnehmer und Teilnehmerinnen für Themen wie Mobbing, Cybermobbing, Fremdenfeindlichkeit und Sucht zu sensibilisieren und Handlungskompetenzen im Umgang mit diesen Problematiken zu vermitteln. Nicht um unsere Teilnehmer an den Pranger zu stellen, sondern um Handeln und Konsequenzen in Verbindung zu bringen, Einsicht zu fördern und Abwehrkräfte zu stärken.
Das ist gelungen – und zwar nicht nur bei den Schülerinnen und Schülern, sondern auch im Lehrerkollegium und bei uns Pädagogischen Fachkräften.